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Psychotherapiereform: Das ändert sich im Studium

Berufswunsch Psychotherapeut oder Psychotherapeutin? Was muss ich beachten?

Das neue Psychotherapeutengesetz ist am 01. September 2020 in Kraft getreten. Die meisten Universitäten haben zum Herbst 2020 ihre Psychologie-Bachelor Studiengänge so umgestellt, dass sie den Anforderungen des neuen Psychotherapeutengesetzes und der Approbationsordnung entsprechen.

Der Gesetzgeber hat die Ausbildung in Psychotherapie neu geregelt. Kern des neuen Gesetzes ist, dass nach einem Bachelor-Studium Psychologie ein Masterstudium Psychologie mit Schwerpunkt Klinische Psychologie und Psychotherapie folgt, welches – nach den akademischen Abschlüssen (Bachelor und Master) zusätzlich eine Staatsprüfung vorsieht, mit dem Abschluss „Approbation“ in Psychotherapie. Das Studium kann nur an Universitäten angeboten werden. Für die Approbation in Psychotherapie müssen die Studiengänge auch berufsrechtlich anerkannt sein. Danach folgt eine mehrjährige Weiterbildung im Rahmen einer voll finanzierten Berufstätigkeit mit Schwerpunktbildung entweder für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, Psychotherapie für Erwachsene oder (voraussichtlich) Klinischer Neuropsychologie (Spezialisierung für die Behandlung von Personen mit hirnorganischen Verletzungen oder Erkrankungen).

Die von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) und dem Fakultätentag Psychologie empfohlenen Muster-Studiengänge für Psychologie wurden so verändert, dass an den meisten staatlichen Universitäten schon seit dem Wintersemester 2020/2021 die neuen Bachelor-Studiengänge angeboten werden. Diese führen zu einem so genannten polyvalenten Bachelor in Psychologie. Das bedeutet, dass man mit dem Abschluss des Bachelor-Studiums sowohl für den Master-Studiengang in Psychologie mit dem Schwerpunkt Klinische Psychologie und Psychotherapie als auch für andere Master-Studiengänge der Psychologie mit weiteren Anwendungsbereichen und Forschungsschwerpunkten qualifiziert ist, sofern man die erforderlichen Wahlmodule belegt hat.

Personen, die jetzt mit einem Studium der Psychologie mit dem Ziel „Psychotherapeutin / Psychotherapeut“ beginnen möchten, können nur noch nach dem neuen Gesetz dieses Berufsziel erreichen. Dies ist auch an den meisten Universitäten innerhalb der Psychologie-Studiengänge möglich. Hierzu sollten Sie sich bei der jeweiligen Universität erkundigen (Achtung: Noch nicht alle Internetseiten geben hier die neuesten Informationen). Fast alle universitären Psychologie-Studiengänge bieten polyvalente Bachelor-Studiengänge an, wie sie für eine spätere Approbation in Psychotherapie gefordert sind. Achten Sie auf Hinweise, ob eine berufsrechtliche Anerkennung in Prüfung oder bereits erteilt ist – dann will die Universität auf jeden Fall ein Studium, das zur Approbation in Psychotherapie führt ermöglichen.

Eine Liste mit den Bachelor- und Master-Planungen der Institute finden Sie hier.

 

Manche Universitäten planen, den bereits eingeschriebenen Studierenden sowohl die Möglichkeit anzubieten, nach dem „alten System“ abzuschließen und eine postgraduale Ausbildung zu machen, oder aber einen Wechsel von einem „alten“ Bachelor-Studiengang in einen neuen Bachelor-Studiengang zu ermöglichen. Auch Möglichkeiten der Nach- oder Zusatzqualifizierung werden an manchen Standorten noch geprüft, um Studierenden den Zugang zu einem Master in Klinischer Psychologie und Psychotherapie zu ermöglichen, auch wenn ein „alter Psychologie-Bachelor“ abgeschlossen wird oder wurde.

Für Studierende, für die a) die Möglichkeit des Quereinstiegs in einen neuen Bachelor-Studiengang nicht möglich ist, oder die b) ihren Bachelor gerade abschließen oder c) abgeschlossen haben, besteht weiterhin die Möglichkeit, nach altem Recht zunächst ein Master-Studium der Psychologie zu absolvieren und dann die (postgraduale) Psychotherapieausbildung zu beginnen. Sie haben bis zum 1. September 2032 Zeit, diese Ausbildung dann abzuschließen.

Dies wird – wenn überhaupt – nur in Ausnahmefällen möglich sein. Grund dafür ist, dass die bisherigen Bachelor-Studiengänge die Voraussetzungen für die Approbation (also die Approbationsordnung) nicht erfüllen und ein „zurück“ in das Bachelor-Studium nicht möglich ist. Ein weiteres Problem ist, dass die Universitäten den neuen Master in der Regel nicht vor Herbst 2021 oder 2022 einführen werden. Daher ist ein „Umsteigen“ auf die neuen Studiengänge praktisch nicht möglich (oder mit sehr hohen Unsicherheiten behaftet).

Daher empfehlen wir in diesem Fall, den Master-Studiengang in Psychologie abzuschließen, dabei darauf zu achten, dass Sie im Bachelor und/oder Masterstudium (mindestens) ein Modul Klinische Psychologie erfolgreich abgeschlossen haben, um dann nach altem Recht die postgraduale Ausbildung zu machen.

Ein Wechsel in einen deutschen M.Sc. Psychologie mit Schwerpunkt Klinische Psychologie und Psychotherapie, mit einem im Ausland erworbenen Bachelor in Psychologie, ist prinzipiell weiterhin möglich, wird allerdings schwieriger als bislang. Ob dies möglich ist und welche Nachqualifizierungen ggfs. notwendig werden, hängt auch davon ab, inwieweit der Studiengang im Ausland die Anforderungen der Approbationsordnung abbildet. Entscheidend ist, inwieweit die Leistungen im Ausland berufsrechtlich anerkannt werden, dies liegt letztlich in den Händen der zuständigen Stellen der Gesundheitsbehörden, i.d.R. den Landesprüfungsämtern. Inwieweit hier vereinfachte Regelungen für ganze Studiengänge entwickelt werden, oder nur Einzelanträge eingereicht und geprüft werden, können ist noch unklar.