Gesundheitspsychologie

Was lernen Studierende im Fach Gesundheitspsychologie? 

Ein gesundes Leben zu führen, ist sicherlich ein zentrales Ziel der meisten Menschen und gewinnt in unserer alternden Gesellschaft an zusätzlicher Bedeutung. Die Gesundheitspsychologie beschäftigt sich mit der Frage, wie biologische, soziale und psychologische  Faktoren Gesundheit sowie Krankheit beeinflussen. Studierende sollen lernen, wie man erklären kann, dass Menschen gesund bleiben, was sie motiviert ihr gesundheitsrelevantes Verhalten zu verändern oder wie sie chronische Erkrankungen bewältigen.

Dabei werden nicht nur die theoretischen Grundlagen für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Gesundheit wie auch Krankheit vermittelt, sondern auch psychologische Strategien zur Modifikation gesundheitsgefährdender Prozesse. Darüber hinaus werden auf spezifische, für gesundheitspsychologische Fragestellungen relevante, diagnostische und methodische Kompetenzen gefördert.

Wofür braucht man das Gelernte im späteren Berufsalltag?

Der Erwerb von theoretischem Grundlagenwissen erlaubt es, für ein konkretes Gesundheitsproblem theoriebasierte Angebote zu entwickeln. Dabei könnte es zum Beispiel um die Entwicklung eines Präventionsprogramms im Bereich Alkoholkonsum bei Jugendlichen gehen. Hierfür ist es einerseits wichtig zu wissen, was Jugendliche veranlasst, übermäßig Alkohol zu konsumieren, andererseits müssen daraus begründet Möglichkeiten abgeleitet werden, dieses Verhalten zu verändern.

Die erworbenen methodischen Kompetenzen sind notwendig, um konkrete Programmmaßnahmen zu entwickeln, vorhandene Angebote in ihrer Wirksamkeit und Nützlichkeit zu bewerten und auch eigene Programme zu überprüfen. Dies dient dem Ziel, dass Programme nicht nur theoretisch sinnvoll und begründet sein müssen, sondern auch wirksam.

Welches interessante psychologische Experiment/welche Forschung ist typisch für die Gesundheitspsychologie?

Die Gesundheitspsychologie beschäftigt sich mit einer großen Palette von gesundheitsrelevanten Fragestellungen: Ob das der Umgang mit Stress ist, die Frage nach gesundheitsförderlicher Ernährung und Bewegung oder der Umgang mit einer chronischen Erkrankung wie Diabetes oder eine Krebserkrankung. Die gesundheitspsychologische Grundlagenforschung bedient sich dabei vieler experimenteller Methoden und die Bandbreite der interessierenden Aspekte ist sehr breit. Es gibt nicht das typische gesundheitspsychologische Experiment!

Ein berühmtes Beispiel aus dem Bereich der Ernährungsforschung ist folgendes Experiment: Die Kinder sitzen vor einem leckeren Muffin, während die Testleiterin sie informiert, dass sie nochmals kurz den Raum verlassen muss. Die Kinder werden instruiert, dass, wenn sie während der Wartezeit den Muffin nicht essen, beim Wiederkommen der Testleiterin einen weiteren Muffin erhalten. Mit diesem Experiment ließ sich zeigen, wie schwer es Kindern (aber auch Erwachsenen) fällt, schmackhafter Nahrung zu widerstehen.

Was sind die aktuellen Hot Topics des Faches? Woran wird derzeit geforscht?

Ein aktuelles Thema innerhalb der Forschung ist die Nutzung von neuen Medien für gesundheitspsychologische Interventionen, aber auch als diagnostisches Tool zur Erhebung von gesundheitsrelevantem Verhalten im Alltag. So werden bspw. Apps für Smartphones entwickelt, um zu erfassen, wie oft wir uns bewegen oder wie hoch unser Blutdruck momentan ist.

Es werden aber auch komplexe internetbasierte Programme konzipiert, die es erlauben, zeit- und ortsunabhängig Programme zur Verbesserung gesundheitsförderlichen Verhaltens zu realisieren, z.B. ein Programm, bei dem man lernen kann, angemessen mit Stress umzugehen oder mit dem Rauchen aufzuhören. Weiterhin wird die Rolle von Selbstregulationsprozessen (s. das Beispiel im Experiment) in der Gesundheitspsychologie zunehmend untersucht. Im Rahmen der Selbstregulation wird oftmals zwischen bewussten, reflexiven Prozessen und automatischen, unbewussten Prozessen unterschieden. Viele gesundheitsrelevante Verhaltensweisen wie das tägliche Ernährungs- oder Hygieneverhalten laufen automatisiert ab. Neuere Interventionsansätze versuchen gerade diese automatischen Prozesse zu verändern.

Im Bereich der Interventionen für gesundheitsrelevantes Verhalten ist die zunehmende Erforschung von achtsamkeitsbasierten Konzepten zu beobachten. Achtsamkeit wird dabei als eine besondere Aufmerksamkeit verstanden, die das neutrale Registrieren von inneren und äußeren Zuständen erlaubt und damit ein Zugang zur Veränderung von automatisch ablaufenden Prozessen erlaubt. Selbstverständlich spielt in der Gesundheitspsychologie auch die Entwicklung von maßgeschneiderten Interventionen für unterschiedliche Zielgruppen eine wichtige Rolle.

Warum haben Sie persönlich sich für dieses Fach entschieden? Was fasziniert Sie?

Petra Warschburger, Professorin für Beratungspsychologie an der Universität Potsdam: „Mich persönlich hat schon immer das Wechselspiel zwischen psychischen Aspekten wie Gedanken und Emotionen und körperlichen Vorgängen, wie z. B. physiologischen Reaktionen fasziniert. Ich habe mich bereits in meiner Diplomarbeit mit der Frage beschäftigt, inwiefern Persönlichkeitsmerkmale einen Einfluss auf die Immunreaktionen in einer Stresssituation haben. Ich habe mich intensiv mit körperlich-chronischen Erkrankungen und deren Bewältigung beschäftigt. Dabei habe ich immer wieder festgestellt, dass psychologische Interventionen einen entscheidenden Einfluss auf den (körperlichen) Gesundheitszustand der Betroffenen haben, und die Effekte dieser Interventionen durchaus vergleichbar (und teils auch besser) als medikamentöse Therapien sind. Gesund sein, gesund bleiben, gesund altern – das sind in meinen Augen zentrale Fragestellungen, mit denen sich eine Gesellschaft auseinandersetzen muss. Psychologische Konzepte können hier einen wichtigen Beitrag leisten.“